Gold in der Kunst ist zurück!


Elite Magazin im Interview mit dem Berliner Künstler Kobransky

Woher kommt Ihre Idee, Gold als dominantes Stilmittel zu verwenden? Kobransky: Gold hat mich seit meiner Kindheit ange- zogen. Jemand, der mich in meiner Wohnung besucht und meine Einrichtung sieht, kann das bestätigen. Als ich begann, mich mit Kunst und Malerei zu beschäfti- gen, konnte ich keine Gemälde finden, die mit Blattgold versehen waren. Vielleicht wurden ein paar Details mit Gold verarbeitet, doch der bekannte Wow-Effekt, wie beim Betrachten von goldenen Objekten, blieb aus. Das hat mich dazu inspiriert, selbst zu experimentieren und mich auf goldene Kunstwerke zu spezialisieren.

Welche Bedeutung hat Gold für Sie? Kobransky: Gold repräsentiert für mich etwas Zeitloses, Unsterbliches und Wertvolles. Der Goldwert ist für mich nicht an rein monetären Zwecken festzumachen. Die meisten Menschen sehen es als Geldanlage oder Statussymbol. Es gibt aber auch Menschen, darunter auch Wis- senschaftler, die behaupten, Gold habe eine Wirkung auf den menschlichen Organismus. Es ist auch von besonde- ren gesundheitlichen Effekten die Rede, wenn man sich in der Nähe von Gold aufhält oder Gold am Körper trägt.


Wie waren bisher die Reaktionen auf Ihre Kunstwerke? Kobransky: Zwei von meinen ersten Gemälden mit Blatt- gold habe ich direkt an den Stardirigenten Sebastian Weigle verkauft. Dadurch habe ich die Bestätigung erfah- ren, dass mein Stil gut ankommt. Darauf folgten meine

ersten Ausstellungen „Legends” und „Ancient Aliens”, mit denen ich in zwei angesagte Galerien in Berlin begeistern konnte. Die Ausstellungen weckten scheinbar ein solch reges Interesse, dass einer der Besucher sich kurzerhand entschloss, eines der goldenen Werke zu stehlen.

Welches Werk war das? Kobransky: Ein 160 x 160 cm großes Gemälde im Wert von 10.000 Euro. Es wurde während der After-Show Party im März 2018 um vier Uhr morgens aus der Gale- rie entwendet. Große Zeitungen und das Fernsehen in Deutschland, wie z.B. die Bild Zeitung, berichteten von dem Diebstahl. Videoaufnahmen zeigen die Diebe bei der Flucht.

Doch bei diesem einen Diebstahl blieb es nicht, oder?

Kobransky: Richtig. Ein weiteres, 1,80 m großes Gemälde und ein Kunstdruck sind nach einer Veranstaltung in einer Hotelgalerie verschwunden. Das Motiv: Kurt Co- bain. Das Landeskriminalamt ermittelt. Seit diesen Vor- fällen sind die Gemälde mit einer Alarmsicherung und einem GPS-Sender versehen.


Mit welchem Gold arbeiten Sie? Kobransky: Für meine Gemälde verwende ich goldenes Blattmetall oder reines 24-karätiges Blattgold, welches natürlich als echtes Gold einen höheren Ma- terialwert hat. Je nach Motiv entscheide ich, in wel- ches Gold ich investiere.





Blattgold ist in der Malerei bereits seit dem Mittelalter präsent. Damals wurde es zum Beispiel in der christlichen Kunst als Symbol genutzt. Es sollte auf die lichter-

füllte, himmlische Sphäre und auf die Präsenz Gottes verweisen. In der Ikonenmalerei setzte man Gold oft als Hintergrund ein. Dieser sollte den Himmel bzw. das „göttliche Licht“ symbolisieren. Auch im Alten Ägypten war Gold die Farbe der Götter, Pharaonen und Sarkophage. Blattgold wurde daher in den Py- ramiden zumeist zur Verzierung der Räume verwen- det, die als Grabstätten für den Pharao vorgesehen waren. Als sich zu Beginn der Renaissance die Ziel- setzung der Kunst änderte und nicht mehr die Dar- stellung der überirdischen Sphäre angestrebt wurde, sondern die realistische Abbildung des Diesseits, verlor Gold seine inhaltliche Berechtigung. Und so ver- schwand es nach 1500 vollstän- dig aus der Malerei. In den da- rauffolgenden Jahrhunderten wurde selbst zur Darstellung goldener Gegenstände kein echtes Gold mehr verwendet. Vielmehr benutzten die Künst- ler nun ausschließlich Farben, um Gold zu imitieren. Nach der Wende zum 20. Jahrhun- dert wurde Gold von einigen Künstlern schließlich wieder- entdeckt und diente zur Dar- stellung von Kostbarkeit und Exotik. Oder aber als Verweis auf das Absolute. Das Interesse der Künstler an dem Edelme- tall als Ausdrucks- und Bedeutungsträger nahm immer weiter zu, besonders bei Malern. Auch beschränkte sich die Verwendung nicht auf bestimmte Kunstrichtungen, sondern erstreckte sich auf zahlreiche Bereiche. Dabei wurde Gold in den unterschiedlichsten Formen verwendet: von reinem Gold (Blattgold, Pudergold, Muschelgold, Goldnug- gets, Goldbarren, Echtgoldfolie) über Mischformen wie Goldbronze (Reichgold, Bleichgold, Dukatengold, Malergold u.a.) bis hin zu verschiedenen Goldimi- taten (wie Schlagmetall, Kompositionsgold, goldfar- bene Folien, Stoffe und Papier).

Gustav Klimt

Im Zeitalter des Jugendstils wurde Blattgold von Ma- lern zur Verzierung ihrer Arbeiten verwendet. Der berühmteste unter ihnen ist zweifellos Gustav Klimt (1862- 1918). Während seiner so ge- nannten „goldenen Phase“ schuf der österreichische Maler eine Reihe von Gemälden mit Blattgold und erreichte so den Höhepunkt seines Erfolgs. Das erste Gemälde dieser Periode war „Judith I“. Die berühmtes- ten Arbeiten der goldenen Pha- se sind das „Portrait von Adele Bloch-Bauer I“ und „Der Kuss“. 1903 hatte Klimt während einer Italienreise in Ravenna und Ve- nedig die vielfach mit Gold aus- geschmückten Kirchenmosaike gesehen. Inspiriert von diesen Heiligen- und Herrscherbildern begann er in der Folge, diese Bildsprache in eine zeitgemäße Form zu übertragen. Er experimentierte mit verschiedenen Techniken, um die Oberflächen seiner Werke zu gestalten. Das Ge- mälde „Der Kuss“ gilt auch heute noch als eines der bedeutendsten Werke des österreichischen Jugend- stils. Es zeigt ein sich zärtlich umschlingendes Paar, umhüllt von reich verzierten Roben. Das Gemälde schuf Klimt mit seiner Technik, Blattgold mit Öl- und Bronzefarbe zu kombinieren. Die Gewänder des Lie- bespaares sind mit Blattgold bestückt. Und auch der Hintergrund ist mit feinen Gold-, Silber- und Platin- blättchen durchzogen. Der österreichische Staat kauf- te das Werk bei seiner Erstpräsentation 1908 für die Moderne Galerie im Unteren Belvedere an. Seitdem befindet es sich im Bestand dieses Museums.

Yves Klein

Zwischen 1959 und 1961 hat Yves Klein rund 40 Monogold-Tafeln in unterschiedlichen Forma- ten hergestellt. Besonderes Merkmal der Arbei- ten ist, dass sie keinen Rahmen besitzen und auch die Seitenkanten der Leinwände vergoldet sind. Um die vergoldeten Oberflächen zu beleben, hat Klein drei unterschiedliche Verfahren angewandt: Bei einigen Monogold-Tafeln schliff er die Holz- oberfläche so ab, dass leichte Unebenheiten, Wölbun- gen oder flache Krater entstanden. Eine andere Vari- ante war, das Blattgold schachbrettartig aufzukleben, so dass die einzelnen Blättchen deutlich erkennbar bleiben. Das dritte von ihm angewandte Verfahren bestand darin, die Hälfte des Blattgoldes nur unvoll- ständig zu befestigen, so dass die losen Goldblätter bei jedem Luftzug vibrieren. Gold gilt aufgrund sei- ner Beziehung zur Sonne und der damit verbunde- nen Symbolik als Zeichen geistiger Erleuchtung. Auf diesen Zusammenhang zwischen Erkenntnis, Licht und Gold bezog sich Klein bei seinen Monogold-Ta- feln. Während des Wahrnehmungsprozesses sollte beim Betrachter das Bewusstsein erweitert werden, damit sich ihm so eine andere Dimension der Wirk- lichkeit eröffnet – die geistige Welt. Kleins Begeis- terung und Faszination für das Material Gold war zwischen 1949 und 1950 ausgelöst worden, als er in London in einem Rahmengeschäft arbeitete. Dort erlernte er neben zahlreichen Maltechniken auch die Technik der Blattvergoldung. Über diese Erfahrun- gen mit dem Material Gold schrieb er: „Und dann das Gold! Diese Blätter, die beim leisesten Windhauch von dem flachen Kissen davonflogen, das man in ei- ner Hand hielt, während die andere sie mit einem Messer einfing. Und dann, wie der Kamm, der durchdie Haare fährt, legt man das Blatt vorsichtig auf die zu vergoldende Oberfläche, die zuvor grundiert und mit gallertartigem Wasser benetzt wurde. Welch eine Materie!“

Andy Warhol

Dass auch Popstars von ihren Fans wie Heilige ver- ehrt werden, thematisiert Andy Warhol in seinem Werk „Gold Marilyn“. Im Gegensatz zu seinen ande- ren Portraits dieser Serie, auf denen er das Gesicht der Schauspielerin in serieller Reihung präsentiert, zeigt „Gold Marilyn“ das Gesicht Marilyn Monroes nur ein einziges Mal vor einem goldenen Hinter- grund. Während die seriellen Portraits Marilyn Mon- roes Allgegenwart in den Medien unterstreichen, wird in der Version der „Gold Marilyn“ ihre „Einzig- artigkeit“ betont: Die Monroe als einzelner strahlen- der Stern an einem goldenen Himmel.KobranskyAuch heute noch ist das Zusammenspiel von Farbe und Gold in der Malerei hochgeschätzt, um eine Betonung der Motive zu erzielen.


Kobransky

Der deutsche Künstler Kobransky (Pseudonym) hat eine unverkennbare und individuel- le Charakteristik in seinen Bildern entwickelt, indem er mit Gold arbeitet. Während andere Künstler einzel- ne Werke mit Gold als dominantes Stilmittel anferti- gen, bestimmt dieses außergewöhnliche Metall den gesamten künstlerischen Charakter seiner Werke. Dennoch gelingt es Kobransky, jedes Bild einzigar- tig wirken zu lassen und subtile bzw. tiefgründige Thematiken in den Werken widerzuspiegeln. Trotz seines jungen Alters und seiner kurzen Schaffenspe- riode fanden sich bereits weltweit mehrere Käufer, darunter auch Vertreter der Musikindustrie, Dirigen- ten, Musikproduzenten und Kunstliebhaber. Für die Kreation seiner Gemälde verwendet Kobransky 24 Karat Blattgold und goldenes Blattmetall. Der Künst- ler erstellt zunächst eine Zeichnung und entscheidet danach, welche Bereiche des Bildes in Gold umge- setzt werden sollen. Motive seiner Werke sind oft Ikonen aus der Geschichte oder der Popkultur. In ei- ner seiner bekanntesten Serien, „Legends“, verewigt er mit seinem individuellen Stil bekannte Musikle- genden auf der Leinwand. Darauf sind Berühmthei- ten wie Jimi Hendrix, Kurt Cobain und Amy Wine- house zu sehen. Das wahrscheinlich imposanteste Meisterwerk dieser Serie ist ein Gemälde von David Bowie auf 150 x 100 cm Leinwand, angefertigt aus 24-karätigem Blattgold.